PAFFPAFF
«Es ist ganz einfach», hat Kohlkopf gesagt.
Meistens ist er ganz nett, mein Mensch. Nur beim Auslaufen, wenn wir aufs Meer fahren, hat er immer schlechte Laune. Als ob er sich jedes Mal neu daran gewöhnen müsste, auf meinem Frachtschiff zu leben.
Da gehe ich ihm lieber aus dem Weg. Selbst wenn er vergisst, meinen Napf zu füllen, streiche ich ihm nicht um die Beine. Denn am zweiten Tag auf See kehrt seine gute Laune zurück. Immer. Dann füttert er mich wieder, streichelt mich und seufzt: «Meine Trina, meine liebe Trina.»
Rrrrr.
Also.
Erstens: Schreiben. Das habe ich getan.
Zweitens: Veröffentlichen. Das heisst so, auch wenn nur ich selbst sehe, was ich geschrieben habe. Meine Einträge sind geschützt, mit dem sichersten Schlüsselwort, das ich mir ausdenken konnte.
«So kannst du überall schreiben, Trina, überall», hat mir Kohlkopf erklärt und mich hinter den Ohren, oh, ja, hinter den Ohren gekrault.
Dabei muss ich gar nicht überall schreiben können. Ich bin und bleibe auf meinem Frachtschiff. Zusammen mit meinen beiden Menschen.
Was ich brauche ist Schutz. Schutz vor neugierigen Armen und neugierigen Saugnäpfen und neugierigen Augen, die alles, wirklich alles sehen wollen. Selbst meine sorgfältig versteckten Tagebucheinträge hat er gelesen, dieser ruhelose Haufen Arme, dieser tintige Tintenfisch. Mir stellen sich die Nackenhaare, wenn ich dran denke. Aber das, genau das hat genau jetzt ein Ende. Jetzt kann Hope nie mehr lesen, was ich geschrieben habe. Mein Schlüsselwort steht zwischen ihm und meinen Einträgen, unüberwindbar. Es steht zwischen seiner Neugierde und meinen Gedanken – wie eine Wand. Ja, mein Schlüsselwort ist eine Wand zwischen Hope, dem Tintenfisch und Trina, der Schiffskatze. Und nur ich kenne es, nur ich allein. So ist es richtig, so soll es sein und bleiben, für immer.
Wenn ich es mir überlege, ist es doch gut, überall Einträge machen zu können. Überall muss ja nicht überhaupt überall heissen, sondern kann auch überall auf meinem Frachtschiff bedeuten. Also: Ich kann auf der Kommandobrücke Einträge machen oder in der Schiffsmesse, im Funkraum oder in Kohlkopfs Kabine. Und wenn ich mir eins der tragbaren Kleindinger schnappe, sogar draussen auf Deck, sogar auf meinem Lieblingsplatz, auf dem warmen Blech über dem Maschinenraum.
Was für Aussichten!
Jetzt aber wirklich fertig und veröffentlichen. Damit das, was ich geschrieben habe, nicht plötzlich und einfach weg ist.
Oben rechts drücken, hat er gesagt.
Nichts.
Miau.
Wieso passiert nichts?
Oh, hier noch einen Haken.
So.
Aber jetzt:
Paffpaff
Rrrrr.